Tag 3 – Open Water Tauchgänge 1 + 2

Heute Morgen bin ich mit einem mulmigen Gefühl aufgestanden. Es geht raus mit dem Boot – keine Ahnung wohin. Keine Ahnung was passiert. André hat uns gestern nur eine kleine Pille in die Hand gedrückt mit dem Hinweis „direkt nach dem Aufstehen nehmen, ist gegen Seekrankheit“.
Was es ist weiß ich nicht, will ich auch gar nicht wissen. Hoffentlich hilft es.
Es ist 6:30 Uhr und das Frühstück fällt kurz aus, wir können beide nicht viel essen.
Punkt 8 Uhr kommt das Shuttle und bringt uns mit 5 anderen Tauchern zum Boot. 3 Franzosen und 2 Amerikaner. Alle wirken angespannt auf der Fahrt. Mir geht es gut, könnte aber auch besser gehen.

Am Boot angekommen heißt es Schuhe aus und aufs Oberdeck, 2,5 Stunden Fahrt liegen vor uns.
Auf geht’s auf meine 1. Tauchtour.

Ziel ist Phi Phi Island. Aha – hier gehen auch so gut wie alle Ausflugsboote hin, denn an diesem Strand wurde „The Beach“ mit Leonardo diCaprio gedreht. Ein Touriziel.
Zum Glück ist André locker drauf und er erklärt und erzählt viel und lenkt etwas von der Nervosität ab. Auf einmal steht er auf und sagt: komm, du musst deine Sachen fertig machen. Na darauf habe ich gewartet! Alle anderen Taucher haben das Equipment von den Tauchguides hingerichtet bekommen. Nur ich nicht. Denn ich bin ja Student und der macht sein Zeug selbst. Also wird die Falsche gecheckt, das Jacket angebracht, die 1. Stufe festgeschraubt und ein Check gemacht. Fertig. André scheint zufrieden. Und dann werde ich in die Kabine mitgenommen und es wird mir der 50 Fragen Test vorgelegt. Jetzt muss ich Beweisen, dass ich alles verstanden habe. Und was darf ich verkünden? Alles ok. Test bestanden.

Nach einer kurzen Instruktion durch den Guide wird es hektisch. Los geht’s, wir sind da.

Ich entschuldige mich jetzt schon, wenn es heute etwas ausführlicher wird, aber Ich habe heute so viel erlebt, dass dies nicht mit ein paar Worten zu erzählen ist.

Taucheranzug anlegen, Jacket anlegen, Brille aufsetzen und ab auf die Plattform. Ich habe keine Ahnung, was unter mir ist. Einer nach dem anderen springt ins Wasser. Ich bin der Letzte. Jetzt bin ich an der Reihe. Hand vor das Mundstück und Brille, die andere Hand an das Blei, gerade aus schauen und einfach einen Schritt nach vorne. Ich bin im Meer! Es klingt eigentlich blöd, aber dieser Schritt ist ein Schritt in eine andere Welt. Der 1. Tauchgang ist just for Fun. Und den habe ich. Nachdem wir auf etwa 10 m angekommen sind, sehen wir die ersten Fischschwärme. Und wen treffen wir zu aller erst? Nemo! Ich bin dann mal da unten in seinem Wohnzimmer! Viel bekomme ich nicht von der Umgebung mit, denn ich bin viel zu viel damit beschäftigt, Tiefe zu halten, richtig zu atmen und die 1000 Eindrücke zu verarbeiten. Einzigartig. Keine Ahnung wie ich es beschreiben soll – ich weiß es wirklich nicht.
Dann sind 50 Bar Restdruck erreicht und damit ist klar, mein 1. Tauchgang geht zu Ende.
Aufgetaucht wird das Jacket aufgeblasen, die Flossen auf das Schiff gereicht und shit!!! Scheisse ist das schwer. Aus dem Wasser raus ist anstrengend. Wenn man nass auf der Bank sitzt, hat noch alle Ausrüstung am Körper und weiß nicht, was man sagen soll, ist mir nur ein Satz eingefallen den ich sofort los wurde: Scheisse ist das Geil!!!!

Lydia ist genauso fertig wie ich. Aber ich glaube auch ein wenig glücklich. Unser 1. gemeinsamer Tauchgang!

Abtrocknen, etwas essen (es war zwar kalt aber richtig lecker) und ausruhen. 1 Stunde bis zum 2. Tauchgang. Der Countdown läuft.

Das Briefing ist kurz und schmerzlos: hier sollten heute Haie sein. Also viel Spaß und fertig machen für den Tauchgang. Der 2. Sprung ist nicht mehr ganz so schwer wie der 1. Aber ich weiß, dass André schon wartet. Ich muss wie schon geschrieben, die Übungen wiederholen. Also los geht’s.
Beim Abtauchen wird eines sofort klar: hier sieht es ganz anders aus als am ersten Tauchplatz. Keine Steilwand sondern flaches Gewässer. 10 m etwa, mehr nicht. Kurz die Übungen gemacht – alles klappt und dann geht es auf Hai Jagd.
Was wir jetzt sehen, ist einmalig: Nemos in Hülle und Fülle, Papageienfische, Wimpelfische. Alles kleine Tiere die schön anzusehen sind. Ein Flötenfisch, ein Schwarm Thunfische eine eine Wolke an Zitronenfischen sind rechts und links zu sehen. Plötzlich von rechts eine Meeresschildkröte. Langsam und gemächlich gleitet sie dahin. Wir begleiten sie ein paar Meter um sie und ihre mitreisenden Gäste, Putzerfische, besser sehen zu können.
Und plötzlich das Zeichen für Hai! André hat einen gesehen. Ja da ist er. Aber nicht nur einer!!! 2, 3, 4, 15 sind es am Ende!!!! Unbeschreiblich. Schwarzspitzenriffhaie!!! Die haben mehr
Angst vor uns, als wir vor ihnen und kaum sind sie da, sind sie auch wieder weg. Wow!
Das tarieren geht schon recht gut, zumindest was ich sagen kann.
Und plötzlich merken wir, dass wir einen Gast haben. Der Putzerfische der Schildkröte hat es sich bei André gemütlich gemacht und fängt an ihn zu reinigen. Alle Versuche ihn los zu werden schlagen fehl! Beim Auftauchen habe ich ihn dann am Bein und er versucht es bei mir. Nein danke, du tust weh.
Kaum aus dem Wasser habe ich nur gestammelt. Geil. Hammer. Wahnsinn. Auf der Rückfahrt muss ich viel nachdenken. Über alles was ich gerade gesehen habe, was gerade passiert ist und was noch kommen wird.
Ein paar Sätze möchte ich hier los werden: ich habe heute etwas erlebt, was mir z.B. von Lydia erzählt wurde. Nur erzählen kann man das nicht wirklich. Das muss man erleben. Ich hatte schiss! Aber ich habe heute Dinge erlebt, die mir keiner mehr nehmen kann. Das sind Eindrücke, die bleiben werden. Unter Wasser ist man alleine mit sich. Man hört nichts außer seinen Atem. Mit diesem Atem kann man bestimmen, ob man steigen will oder tiefer gehen möchte. Taucher wissen, was ich damit meine. Nur durch ausatmen sinken und durch einatmen steigen – übertragen auf mich persönlich habe ich heute viel eingeatmet und es hat sich eine Welt geöffnet die mich bereichert hat! Danke Lydia, danke André und danke den Guides vom Boot für dieses tolle Erlebnis!!!!

Zurück im Hotel und nach einem guten Essen im Orchid sitzen wir jetzt auf der Terasse unseres Zimmers und erleben ein Gewitter bei 30 Grad. Der erste Regen in unserem Urlaub. Es ist Regenzeit, aber jeder der deswegen nicht hier her geht, macht einen Fehler! Ich komme bestimmt wieder, auch in der Regenzeit. Denn hier ist ein kleines Paradies auf Erden, über und unter Wasser.

Gute Nacht Thailand, bis morgen…

Ps: von heute gibt’s keine Bilder, weil der Fotograf nur mit sich selbst beschäftigt war und die Camera nicht ausgepackt hat. Es sei ihr verziehen 😉

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